20.000 Supercharger, die nur Teslas zur Verfügung stehen

Heute kursiert ein Tweet: „20.000 #Supercharger sind geschafft! Congratulations to the #Tesla team!“ Was Tesla Fanboys feiern, ist eine der Absurditäten der Elektromobilität, neben dem Ladetarifchaos, den es außerdem sonst noch gibt. An Tesla Superchargern (SuC) dürfen nur Elektroautos der Marke „Tesla“ laden. Die Elektroautos aller anderen Hersteller bleiben von dem größten Ladenetzwerk der Welt weiterhin ausgeschlossen.

Während besonders Tesla Besitzer besonders gereizt reagierten, als Maingau sein Tarifsystem änderte und als IONITY den Ad Hoc – Ladetarif auf 79 Cent pro Kilowattstunde anhob, werden sie ganz besonders aggressiv, wenn man den freien Zugang zum SuC Ladenetz für alle Marken fordert. Dann bekommt man böse Reaktionen:

Zum Beispiel diese: „

Warum sollte Tesla der Konkurrenz, von der sie 8 Jahre ausgelacht und verhöhnt wurde, jetzt den schlagenden Kundenvorteil zugänglich machen? Dazumal Tesla sein Netz ohne jegliche staatlichen Förderungen aufgebaut hat. Ich würde jetzt zurücklachen. Indirekt passiert das ja bereits

Tweet

Oder diese:

Erst verhöhnt und ausgelacht um jetzt bereitwillig DEN Vorteil am Markt abzugeben?? Nö!! #tesla #ev #electrodocs

Tweet

Natürlich erkenne auch ich neidlos an, dass Tesla als erster Hersteller erkannt hat, das ein flächendeckendes Schnellladenetzwerk Voraussetzung für den Durchbruch der Elektromobilität ist. Es ist Tesla zu verdanken, der Welt zu beweisen, dass man mit einem Elektroauto ohne Probleme sehr schnell und komfortabel weite Strecken zurücklegen kann. Tesla hat sein Ladenetzwerk mit dem Verkauf seiner Fahrzeuge untrennbar verbunden. Jeder Tesla Fahrer kann darauf vertrauen, dass ein funktionierendes Ladenetz an jedem Verkehrsknotenpunkt zur Verfügung steht. Unterwegs laden ist für Tesla Fahrer kein Problem. Er braucht nur den Stecker eines Superchargers mit seinem Tesla verbinden und sein Auto wird in wenigen Minuten wieder aufgeladen. Für nicht wenige Tesla Besitzer war dies einer der Gründe, sich für einen Tesla zu entscheiden.

Die Besitzer eines Teslas können sich aber nicht nur auf das weit verbreitete Tesla-Netzwerk verlassen. Sie können ihr Auto auch an jeder anderen Stromquelle anschließen. Tesla bot seinen Besitzern früh Adapter für die alternativen Schnellladesysteme ChaDeMo und CCS an. Außerdem lädt man einen Tesla auch an jeder Typ 2 Ladestation auf. Damit hat Tesla seinen Besitzern einen großen Vorteil gegenüber anderen Marken verschafft. Besitzer eines Teslas können nahezu an allen verfügbaren Ladepunkten laden. Kein Hersteller von Elektroautos hat den Aufbau eines Ladenetzes so konsequent vorangetrieben, wie Tesla.

Allerdings haben sich auch andere Hersteller zusammengeschlossen, eine flächendeckende Versorgung mit Schnellladern aufzubauen: Das IONITY Schnellladenetz. Es ist nach dem Tesla Supercharger Netzwerk das am schnellsten wachsende Ladenetzwerk in ganz Europa. Allerdings ist hier keine Marke von der Nutzung ausgeschlossen. Auch Tesla Besitzer konnten und können dort problemlos ihr Fahrzeug aufladen. Zeitweise zogen Tesla Besitzer die IONITY Lader dem Tesla Superchargern sogar vor. Für nur 8 Euro konnten sie dort ihr Auto komplett – und mit noch höherer Leistung als an den Tesla Ladestationen – aufladen. Umso größer war das Geschrei gerade unter den Tesla Besitzern, als IONITY sein Tarifsystem radikal änderte. Besitzern von Marken, deren Herstellern nicht dem IONITY Verbund angehören, müssen seit einigen Monaten das Laden teuer bezahlen.

Tesla Besitzer beschweren sich, dass IONITY anders als die Supercharger mit Milliarden Euros gefördert wurden und werden. Auch behaupten sie, dass Tesla den anderen Herstellern angeboten habe, sein Ladenetzwerk zu öffnen. Doch die anderen Hersteller seien nicht auf das Angebot von Tesla eingegangen. Ist Tesla also gar nicht schuld, sondern sind die anderen Hersteller für die Misere verantwortlich?

Teslas Angebot, das Netzwerk zu öffnen steht seit langem. Es scheint nur kein Interesse der anderen Hersteller gegeben zu haben.

sehr häufiger Tweet

Mich interessiert als Emobilist wenig, wer Betreiber und Besitzer eines Schnellladenetzes ist. Mich interessiert, möglichst zu jedem attraktiven Schnellladenetz Zugang zu haben. Und so gibt es viele Absurditäten, wie zum Beispiel, Tesla Ladeparks mit 20 Superchargern, an denen kein Elektroauto außer Tesla laden kann. An den IONITY, EnBW, Allegro Hyperchargern kann hingegen auch jeder Tesla dran. Die Lösung kann nur sein:

Von Herstellern betriebene Ladeparks sollten in Zukunft nicht mehr genehmigt werden, wenn nicht alle Marken zugelassen werden. Betreibern von Ladeparks und Ladestationen sollten gezwungen werden, ihr Angebot allen Marken zu öffnen. Übergangsweise könnten von Nutzern von anderen Marken höhere Tarife verlangt werden. Langfristig brauchen wir aber auch einheitliche Tarife für alle Nutzer von Elektroautos. Hier geht es um mehr als die Interessen eines Herstellers und den Nutzern seiner Marke. Es geht darum, das Laden für Fahrer von Elektroautos genauso einfach zu garantieren wie das Tanken für Fahrer von Benzin- und Dieselautos. Nur so wird der Elektromobilität zum Durchbruch verholfen.

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