Mit dem Elektroauto auf Langstrecke

So langsam lerne ich auch das Fahren meines Elektro Konas auf Langstrecke. Ich war mit dem Auto unterwegs nach Berlin und fuhr diesmal über die Autobahn. Diesmal plante ich mehrere Ladestationen auf der Strecke als Wegpunkte in meine Navigation ein. Während der Fahrt konnte ich auf diese Reise die Rest-Reichweite des Autos mit der Entfernung zur nächsten Ladestation abgleichen. Auf diese Weise traute ich mich erstmals, die Akkukapazität besser auszunutzen. Man fährt den Akku relativ leer, um möglichst wenige Ladepausen während der Fahrt einlegen zu müssen. Außerdem lädt das Auto schneller, wenn der Akku leer ist.

Die 430 Kilometer bewältigte ich auf der Hinfahrt mit nur einem Ladestopp. Ich fuhr mit einem Ladestand von 90% los und hielt 190 km später im Rasthof Lehrter See an. Dort lud ich an der IONITY Säule 23 kWh Strom nach und fuhr nach einer halben Stunde mit ca. 73% Akkustand weiter. Der Ladevorgang klappte problemlos. In Berlin kam ich dann mit 16% Akkustand an. Auf der Rückfahrt fuhr ich wieder mit 90% Akkustand los und fuhr knapp 250 km bis zur Raststätte Lehrter See Nord. Diesmal war der Ladevorgang mit Haken und Ösen verbunden. Zwei der IONITY Säulen waren besetzt, eine „außer Betrieb“ und bei der vierten Säule blieb der Bildschirm dunkel. Ein Mann sagte mir, die Säule leuchtet grün, versuchen Sie doch einfach, die Ladung zu starten. Ich steckte den Stecker in den Ladeport meines Autos, hielt meine RFID Karte dran und drückte einen Startknopf und zu meiner Verwunderung startete der Ladevorgang tatsächlich.

in knapp 40 Minuten lud ich 44 kWh Strom in mein Auto. Ich hätte eigentlich auch schon früher weiterfahren können. Aber an der Ladesäule wurde ich von zwei Seniorinnen angesprochen. „Was tanken Sie denn in Ihr Auto,“ fragte mich die eine Frau. „Ganz normalen Strom,“ antwortete ich. So eine Tankstelle habe sie noch nie gesehen, meinte die Frau und fragte mich, woher denn der Strom stammen würde. „Wahrscheinlich wohl aus einem Kohlekraftwerk,“ fügte sie hinzu.

Über diese plumpe Behauptung war ich regelrecht geflasht. Hat die Frau jemals einen Autofahrer an einer Verbrenner-Tankstelle gefragt, woher wohl das Benzin stammt, das er tankt? Und wie die Umwelt durch die Abgase des Benzinautos verpestet wird? Das gilt als völlig normal! Ein Elektroauto ist für diese Leute hingegen ein Verbrechen an der Umwelt, weil die Verbrennerlobby dies ständig verbreitet. Ich war fast versucht, die Dame zu fragen, ob sie auch zuhause auf Strom verzichtet, weil er ja aus einem Kohlekraftwerk stammen könnte.

Stattdessen erklärte ich ihr, dass ich mein Auto fast ausschließlich mit Strom aus meiner eigenen Solaranlage versorge. Das ließ sie allerdings unbeeindruckt. Die meisten Bewohner von Mietshäusern können nicht mit ihrer eigenen Solaranlage Strom erzeugen. Für diese Frau waren nicht die Kohlekraftwerke das Problem sondern das Elektroauto. Ich hatte keine Lust mehr mit ihr weiter zu diskutieren und war froh, dass sie weiter musste, um wieder in ihren Reisebus einzusteigen.

Nach dieser etwas nervigen „Unterhaltung“ fuhr ich dann weiter. Es war ganz gut, dass ich etwas mehr Strom als nötig im Akku hatte, denn ich musste wegen eines Staus 20 km Umweg durch die Lüneburger Heide machen. Zuhause kam ich dennoch mit komfortablen 30 % Akkustand zuhause an.

Das Problem meiner Langstreckenfahrt waren nicht die Ladepausen, die ich auch mit dem Verbrenner eingelegt hätten sondern die Staus und der extreme Reiseverkehr auf der Autobahn. Ich hätte mit dem Verbrenner nicht weniger Zeit für diese Reise gebraucht.

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